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Wangjianglou-Park: Bambus & Poesie

Am Jinjiang in Chengdu bewahren Bambuswege und Pavillons aus der Qing-Zeit die Erinnerung an die Tang-Dichterin Xue Tao. Ein Spaziergang durch die literarische Landschaft der Stadt.

Von Off Path Now · Aktualisiert

Sonnenlicht auf einem Steinweg zwischen hohem Bambus im Wangjianglou-Park.
Wangjianglou-Park · Licht auf einem Bambusweg · Fotografiert von Off Path Now

Die erste Einladung im Wangjianglou-Park lautet: langsamer werden. Licht fällt zwischen Bambushalme, eine rote Mauer taucht hinter Blättern auf, und die Dächer alter Pavillons ragen über den Garten. Hier am Jinjiang in Chengdu verbindet ein Spaziergang Poesie, Architektur und die Freude der Stadt an einem ruhigen Nachmittag.

Die Geschichte des Parks führt zur Tang-Dichterin Xue Tao zurück. Die Gebäude stammen aus späteren Jahrhunderten, doch ihre Erinnerung verbindet die einzelnen Orte: ein Garten, der zeigt, wie Chengdu eine Schriftstellerin über Generationen hinweg würdigt.

Die Erinnerung an eine Dichterin

Xue Tao lebte im achten und neunten Jahrhundert und wurde zu einer bedeutenden Stimme der Tang-Dichtung. Ihre Verbindung zu Chengdu, ihre Gedichte und das als Xue-Tao-Papier bekannte farbige Schreibpapier haben ihr einen bleibenden Platz im kulturellen Gedächtnis der Stadt gegeben.

Wangjianglou ist ein Ort des Gedenkens. Die heutigen Pavillons sind keine Gebäude, in denen sie selbst schrieb. Die Statue, die Gedenkräume und die Namen der Gebäude zeigen vielmehr, wie die Erinnerung an eine Dichterin lange über ihr Leben hinauswirken kann.

Eine helle Steinstatue der sitzenden Xue Tao im Garten des Wangjianglou-Parks.
Eine Statue zum Gedenken an die Dichterin Xue Tao · Fotografiert von Off Path Now

Bambus und der Blick auf den Garten

Bambus bildet hier mehr als einen grünen Hintergrund. Schmale Halme rahmen eine Tür, Blätter filtern das Licht, ein Weg wird zum grünen Korridor. Lassen Sie den Blick von einer Dachkante zu den kleinen Schatten auf einer Mauer wandern: Der Garten erschließt sich Schicht für Schicht.

Die Bambuspflanzungen erinnern an Xue Taos Liebe zu dieser Pflanze. Bambus steht in der chinesischen Literatur auch für Standhaftigkeit und Aufrichtigkeit; seine aufrechten Halme und sein hohles Inneres bieten ein Bild menschlicher Haltung. Schon ohne botanische Kenntnisse lassen sich Unterschiede in Farbe, Stärke und Bewegung entdecken.

Grüner Bambus wirft Schatten auf eine rote Mauer im Wangjianglou-Park.
Bambus vor einer warmroten Mauer · Fotografiert von Off Path Now

Der Pavillon über dem Fluss

Das bekannteste Gebäude ist der Chongli-Pavillon, im Volksmund Wangjianglou genannt: der Pavillon zum Blick auf den Fluss. Er wurde 1889 in der Qing-Dynastie fertiggestellt. Seine Holzkonstruktion hat vier Geschosse, die unteren mit quadratischem, die oberen mit achteckigem Grundriss. Aufgebogene Traufen und gestaffelte Dächer verändern seine Silhouette zwischen den Bäumen.

Der Name Chongli geht auf eine alte Beschreibung Chengdus durch Zuo Si zurück. Kleinere Pavillons, überdachte Räume und Inschriften verbinden Architektur und literarisches Gedenken. Achten Sie auf eine Dachkante oder das Zusammenspiel von bemaltem Holz und Laub: Solche Einzelheiten machen den Besuch ebenso reizvoll wie der Turm selbst.

Die gestaffelten Dächer des Wangjianglou von unten, unter Baumzweigen gesehen.
Chongli-Pavillon · Wangjianglou aus der Qing-Zeit · Fotografiert von Off Path Now

Worte, die sich ineinander spiegeln

Eine berühmte erste Hälfte eines mit Wangjianglou verbundenen Spruchpaares spielt mit dem Namen des Pavillons und dem Blick auf das fließende Wasser:

望江楼,望江流,
望江楼上望江流,
江楼千古,江流千古。

Der Pavillon mit Blick auf den Fluss; der Fluss in seinem Lauf. Vom Pavillon aus den Fluss fließen sehen. Der Flusspavillon durch die Zeiten; der fließende Fluss durch die Zeiten.

Dies ist eine freie Übertragung der chinesischen ersten Hälfte des Spruchpaares, kein Gedichtvers von Xue Tao. Der Verfasser ist nicht gesichert. Im Mandarin klingen lóu (Pavillon) und liú (fließen) ähnlich; wàng jiāng bezeichnet sowohl einen Namen als auch den Blick auf den Fluss. Die Wiederholung verbindet das Bleibende mit dem Bewegten. Die Schlussworte qiān gǔ führen beides in die lange Dauer der Zeit.

Der rot ummauerte Hof am Xue-Tao-Brunnen im Schatten von Bäumen.
Der Xue-Tao-Brunnen mit seinem Innenhof · Fotografiert von Off Path Now

Ein Brunnen und Zeit zum Verweilen

Der Xue-Tao-Brunnen fügt eine weitere historische Schicht hinzu. Die Darstellung des Parks verbindet diesen Ort mit der späteren Herstellung von Papier nach Xue Taos Vorbild in der Ming-Dynastie. Er steht für ihr fortwirkendes Erbe; er belegt nicht, dass sie selbst an genau diesem Brunnen Papier schöpfte.

Planen Sie Zeit für den Bambusgarten und die historischen Gebäude ein. Garten- und Denkmalbereich sind getrennte Bereiche; prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Eintrittsregelungen und geöffneten Gebäude. Im Herbst können gelbe Ginkgoblätter neben grünem Bambus erscheinen. Farben und Licht hängen von Jahreszeit und Wetter ab.

Ein Spaziergang hier lässt sich in einen privaten Tag in Chengdu mit Schwerpunkt Literatur, Gärten oder Fotografie einfügen. Erzählen Sie uns, was Sie besonders interessiert, damit wir den Besuch gemeinsam planen können. Wangjianglou ist eine individuell zu vereinbarende Möglichkeit und kein garantierter Bestandteil jeder veröffentlichten Route.

Ein Ginkgobaum mit gelben Blättern neben einem Pavillon im Wangjianglou-Park.
Herbstlicher Ginkgo zwischen den Gartenbauten · Fotografiert von Off Path Now

Entdecken Sie auch unseren Spaziergang durch Chengdus Viertel oder planen Sie eine private Kulturreise.

Kulturelle Quellen

Historische Angaben wurden anhand der Beschreibungen des Parks und eines Berichts über das Spruchpaar geprüft. Deutung und Übersetzungen stammen von uns.

Wangjianglou-Park · Chongli-Pavillon · Bambus · People’s Daily, Auslandsausgabe, 6. August 2014

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